Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 1 Jahr

annalive 01/2012

  • Text
  • Bewohner
  • Haus
  • Menschen
  • Mitarbeiter
  • Frau
  • Sozialzentrum
  • Thema
  • Josef
  • Mutter
  • Pflegeheim
Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

10 DAS THEMA Beispiele

10 DAS THEMA Beispiele psychischer Belastungssituationen und wie sie gelöst wurden Zeit für die Angehörigen Offenheit, Kommunikation und Information sind Grundlage einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonal und Angehörigen – bieten jedoch noch keine Garantie dafür. Verhärtete Vorstellungen, Ängste und Schuldgefühle lassen sich oftmals nicht allein durch freundliches Auftreten und ein, wenn auch fundiertes und konstruktives Gespräch beseitigen. Die folgenden Fallbeispiele zeigen, dass auch der Faktor Zeit und die damit verbundene Geduld eine wesentliche Rolle spielen. Texte: Andrea Anderlik, Stefanie Freisler, Florian Seher Fotos: digitalstock, Felix Kästle Wenn Angehörige es zu gut meinen Die an Demenz erkrankte Frau Z. wohnt seit etwa einem Jahr in einer Hausgemeinschaft des Pflegeheims. Die Tochter ist sehr besorgt um ihre Mutter und stellt einen hohen Betreuungsanspruch. Gemeinsam mit ihr hat das Pflegeteam eine wöchentliche Trainingsstunde mit Frau Z. im Alzheimerverein organisiert. Außerdem waren sich beide Parteien einig, dass Frau Z. der Singkreis und die Gymnastikgruppe gut tun würden. Nach ein paar Wochen stellte sich allerdings heraus, dass die gewählten Betreuungsaktivitäten nicht auf das Krankheitsbild von Frau Z. passen. Daraufhin beschloss die Tochter, ihre Mutter öfter tagsüber zu sich nach Hause zu nehmen und abends ins Heim zurückzubringen. Die Pflegekräfte bemühten sich, Frau Z. in die Hausgemeinschaft zu integrieren. Dies gelang ihnen jedoch nicht immer. Gleichzeitig wurde viel über das Thema des Nach- Hause-Holens gesprochen – im Team und mit der Angehörigen. Dabei versuchten die Pflegekräfte ihr zu vermitteln, dass die ältere Frau durch ihre häufige Abwesenheit keine Möglichkeit bekomme, sich in die Hausgemeinschaft zu integrieren und soziale Kontakte aufzubauen. Nach mehreren Gesprächen zeigte sich die Tochter einsichtig. Sie verstand außerdem, dass sie sich auch als Angehörige am Alltag der Hausgemeinschaft orientieren und zum Beispiel nicht immer mit der Mutter spazieren gehen sollte, wenn sie selbst Lust darauf hat. Inzwischen hilft sie zusammen mit ihrer Mutter auch gerne beim Wäschezusammenlegen, Tischaufdecken oder Kartoffelschälen im Wohnbereich der Hausgemeinschaft.

11 DAS THEMA Klarheit für die Mutter: ein Wagnis für die Töchter Frau M. kam aus dem Krankenhaus ins Heim. Obwohl sie sich anfangs gut eingelebt und sogar eine Freundin unter den Bewohnern gefunden hat, litt sie an der in ihren Augen unklaren Situation. „Kann ich jetzt endlich wieder nach Hause? Kann ich wieder nach Hohenems?“, fragte sie immer wieder und konnte verneinende Antworten nicht akzeptieren, wurde dann wütend und zog sich zurück. Die Mitarbeiter wollten erreichen, dass Frau M. ihre Situation begreift und einsieht. Deshalb haben sie den Töchtern vorgeschlagen, ihrer Mutter die Möglichkeit zu geben, sich noch einmal von ihrem Zuhause zu verabschieden. Mit diesem „ritualisierten Abschiedsbesuch“ hatte das Team bei anderen Bewohnern schon gute Erfahrungen gemacht. Doch die Angst, „dass die Mama dann nicht mehr von zuhause weggeht, dass die Situation eskaliert“ war zu groß. Die Angehörigen lehnten zunächst ab. Viele Gespräche waren notwendig, brachten den Töchtern jedes Mal neue Einsichten. Währenddessen zog sich Frau M. aber immer mehr zurück, hat kaum mehr etwas gegessen und gesprochen. Sie wollte hinaus, nach Hohenems fahren. Oft halfen auch validierende Gespräche nicht mehr: Frau M. wurde dann zornig und auch handgreiflich. Die Angehörigen waren informiert, konnten den Verlauf nachvollziehen und willigten schließlich ein, den Abschiedsbesuch zu wagen. Frau M. wurde auf diesen Tag gut vorbereitet. Dann ist sie mit einer Pflegekraft nach Hohenems gefahren, wo ihre Töchter sie schon erwarteten. Die ältere Frau wanderte durch den Garten. Dann stieg sie die engen Stiegen zu ihrer Wohnung in den zweiten Stock hinauf. Sie schaffte es nur mit Hilfe. Später sagte sie: „Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht ins Heim zurückzukehren. Doch ich sehe ein, dass ich nicht in meiner Wohnung bleiben kann.“ Mit einer Leselupe schaute sie alte Alben an und erkannte einige Gesichter. Sie wirkte glücklich und gelöst. Auch die Töchter waren erleichtert und versprachen, die Mutter jetzt öfter zu kleinen Ausflügen mitzunehmen. Am Abend war Frau M. sehr traurig. Doch in den Tagen danach ging es ihr sichtlich besser, denn sie weiß jetzt, dass sie es alleine zuhause nicht mehr schafft. Schmerzen für mehr Aufmerksamkeit Frau S. kam von der Palliativstation eines Krankenhauses in ein Heim in Oberösterreich. Bald stellte sich heraus, dass die Bewohnerin wenig Einsicht und Bereitschaft zeigte, sich palliativ pflegen zu lassen. Sie wollte gesund werden und nach Hause gehen. Viel Zeit und Geduld waren nötig, um die neue Bewohnerin von den Maßnahmen zu überzeugen. Die verwitwete Frau S. hat viel Leid und Gewalt in ihrem Leben erfahren müssen. Diese Gewalt hat sie physisch und psychisch an ihre drei Kinder weitergegeben. Trotzdem umsorgten sie ihre Mutter liebevoll. Auffallend war, dass Frau S. immer über unerträgliche Schmerzen klagte, wenn ihre Kinder zu Besuch waren. Sie erzählte ihnen, dass sie vom Pflegepersonal keine Medikamente gegen die Schmerzen erhalte. In der Nacht würde sie läuten, worauf aber niemand käme. Daraufhin beschwerten sich die Angehörigen bei der Hausleiterin. Diese vereinbarte einen Gesprächstermin mit ihnen, zu dem auch der Pflegedienstleiter und eine Pflegekraft, die sich regelmäßig um Frau S. kümmerte, kamen. Sowohl die Pflegedokumentation als auch das Schmerzprotokoll belegten Schmerzen bei Frau S. nur zu den Besuchszeiten ihrer Angehörigen. Frau S. wollte offensichtlich Aufmerksamkeit und die Kinder fühlten sich wieder auf ihre schwierigen familiären Verhältnisse zurückgeworfen. Die Hausleiterin riet ihnen zu einer psychologischen Unterstützung. Sie schlug außerdem vor, dass sich die Kinder regelmäßig mit den Mitarbeitern über das Verhalten und die Aussagen der Mutter austauschen sollten, so dass Missverständnisse gar nicht erst entstehen könnten. Die Kinder nahmen den Rat und das Angebot gerne an. Alle Mitarbeiter waren über die Abmachung informiert und wenn sie keine Zeit für ein längeres Gespräch hatten, fanden die Angehörigen bei der Hausleiterin oder dem Pflegedienstleiter ein offenes Ohr. Nach eineinhalb Monaten im Heim ist Frau S. im Beisein ihrer Kinder verstorben. ❑

Hier finden Sie Impulse für den Alltag

Anstifter

Anstifter 1, 2019 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2014 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2014 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2014 der Stiftung Liebenau

Jahresberichte

Jahresbericht 2016 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2015 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2014 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2013 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2012 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2011 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2010 der Stiftung Liebenau

Karriere/Akademie

Deine Ausbildung bei uns - Stiftung Liebenau
Dein FSJ/BFD bei uns - Stiftung Liebenau

Kirchliche Stellungnahmen

Die Stiftung Liebenau – eine Lebens- und Wesensäußerung von Kirche

Stiftung Liebenau Österreich

annalive 02/2018
annalive 01/2018
annalive 02/2017
annalive 01/2017
annalive 02/2016
annalive 01/2016
annalive 02/2015
annalive 01/2015
annalive 02/2014
annalive 01/2014
annalive 02/2013
annalive 01/2013
annalive 02/2012
annalive 01/2012
annalive 02/2011
annalive 01/2011
annalive 02/2010
annalive 01/2010
annalive 02/2009

Beteiligungen

BDS Flyer