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annalive 01/2011

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

4 DAS THEMA Wie gelingt

4 DAS THEMA Wie gelingt Selbstbestimmung im Heimalltag? Autonomie leben Die Freiheit, über das eigene Handeln zu bestimmen, ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Umso mehr fürchten die meisten Menschen den Verlust dieser persönlichen Handlungsautonomie, wenn sie aufgrund von Pflegebedürftigkeit, geistigen oder seelischen Einschränkungen und Krankheiten auf Unterstützung und Hilfe anderer angewiesen sind. Für die Helfer – Angehörige, Pflegekräfte, Heimträger – ist es eine Herausforderung, die richtige Balance zu finden zwischen Selbstbestimmung einerseits, Schutz und Fürsorge andererseits. Die Stiftung Liebenau, zu deren Unternehmensverbund die St. Anna-Hilfe gehört, hat sich mit dieser Frage systematisch auseinandergesetzt und Leitlinien zur Förderung der Autonomie von betreuten Menschen erarbeitet. Text: Helga Raible/Fotos: Felix Kästle

5 DAS THEMA Beim Einzug in eine Pflegeeinrichtung treffen zwei Welten zusammen: Der neue Bewohner bringt seine Vorstellung von einem guten Leben mit, seine eigenen Wünsche und Ziele, an denen er das Leben bisher ausgerichtet hat. Im Heim trifft er auf Menschen, Strukturen, Notwendigkeiten, die er nicht selbst gewählt hat, die sich auf das eigene Verhalten aber entscheidend auswirken können. Das beginnt im Alltag, mit vorgegebenen Essenszeiten und nicht selbst gewählten Mitbewohnern, und reicht bis zu existenziellen Fragen am Lebensende. Kreative Lösungen gefordert Oberste Prämisse moderner Pflegekonzepte ist es, die Selbstbestimmungsrechte und -möglichkeiten der zu Pflegenden so weit wie möglich zu respektieren und zu fördern. Für Konfliktsituationen im Alltag finden Pflege- und Betreuungskräfte häufig kreative Einzellösungen. Speisepläne werden flexibel abgewandelt, Schlafenszeiten individuell verschoben. Wer sein Leben lang nicht unter einer Dusche stand, darf sich auch im Heim wie gewohnt in der Wanne oder am Waschbecken waschen. Autonomie oder Fürsorge Es gibt allerdings Dilemmasituationen, die keine einfachen Antworten erlauben. Immer dann, wenn das Umfeld von persönlichen Entscheidungen betroffen ist, wenn andere Bewohner sich an – möglicherweise unverständlichen – Verhaltensmustern stören, wenn Mitarbeiter an ihre Scham- oder Hygienegrenzen stoßen, wird das persönliche Selbstbestimmungsrecht durch das Recht der anderen begrenzt. Äußerst problematisch sind Situationen, in denen zum Beispiel jemand Medikamente oder Nahrung ablehnt. Professionelle Helfer ebenso wie Familienangehörige werden damit vor die schwierige Frage gestellt, ob die Achtung der Autonomie Vorrang hat vor der Fürsorgepflicht – gegebenenfalls mit dem Risiko, dass die Verweigerung von Medikamenten zum Tode führt. Besonders schwierig wird es, wenn die betroffene Person zum Beispiel aufgrund einer Demenzerkrankung nur eingeschränkt zur Selbststeuerung in der Lage ist. Kann der Betroffene dann noch autonom entscheiden? Ist er oder sie in der Lage, die Situation überhaupt angemessen wahrzunehmen und zu verstehen? Fragestellungen diskutiert und bearbeitet, hat Leitlinien für solche Entscheidungsprozesse entwickelt. Diesen zufolge ist zunächst zu klären, wie stark der Wille und die Vernunftfähigkeit des Betroffenen eingeschränkt sind, wie viel Unterstützung oder Einschränkungen nötig und erlaubt sind. Wenn Grenzziehungen angebracht sind, ist zu fragen, ob es für ein bestimmtes Verhalten, das den Betroffenen selbst oder andere schädigen kann, zum Beispiel das Rauchen im Wohnbereich, Verfahrensregeln gibt, die allen Beteiligten bekannt sind. Insbesondere wenn freiheitseinschränkende Maßnahmen zur Diskussion stehen, muss geklärt werden, ob und inwieweit nach der Intervention eine Chance für den Betroffenen auf ein gutes Miteinander besteht und ein möglicher Teufelskreis von Aktion und einschränkender Reaktion (Verbote – Aggressionen – erneute, strengere Verbote) durchbrochen werden kann. Nicht einsam entscheiden! In der Praxis hat sich gezeigt, dass es in diesen Fällen keine einsamen Entscheidungen von professionellen Helfern über die Autonomiechancen der Betroffenen geben kann. Einbezogen werden muss der Betroffene oder ein Stellvertreter, ein Angehöriger oder der Sachwalter, der dessen (mutmaßliche) Anliegen vertritt. In manchen Fällen liegt eine Patientenverfügung vor, die über den Willen des Betroffenen Klarheit bringt. Hilfreich ist auch die Beratung im Team gemeinsam mit Ärzten und anderen Fachleuten. Unterschiedliche Fachperspektiven legen die Vielschichtigkeit der Situation offen und befördern die Kreativität in der Lösungsfindung. Möglicherweise dauert die Entscheidungsfindung so etwas länger. Dafür sind die gemeinsam gefundenen Lösungen tragfähiger. Mut zur zweitbesten Lösung Die Erfahrung zeigt aber auch: Ideale und „glatte“ Lösungen sind selten. Meist muss zwischen den verschiedenen Ansprüchen ein tragfähiger Kompromiss gefunden werden. Es bedarf also auch des Mutes, zu so genannten „zweitbesten Lösungen“ zu stehen, so das Fazit der Ethikkommission. Oft sei eine „möglichst gute“, aber praktikable Lösung besser als die optimale, die sich in der Praxis als nicht realisierbar erweist. ❑ Leitfragen zur Autonomie Die richtigen Verhaltensentscheidungen zu treffen, ist in solchen komplexen Situationen schwer für die Mitarbeiter. Noch schwieriger wird es in Konfliktfällen, wenn die Wünsche von Patienten, die Vorstellungen der Angehörigen, die Überzeugungen des Personals und die ethischen Leitsätze des Trägers nicht übereinstimmen. Die Ethikkommission der Stiftung Liebenau, die seit 15 Jahren ethische

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