Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 2 Jahren

annalive 01/2010

  • Text
  • Menschen
  • Haus
  • Frau
  • Bewohner
  • Demenz
  • Heidi
  • Thema
  • Josef
  • Mitarbeiter
  • Gmunden
Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

4 DAS THEMA Dimension,

4 DAS THEMA Dimension, Definition, Diagnose und Behandlung von Demenz Mit dem Vergessen leben Derzeit leiden bereits sechs bis acht Prozent der über 65-Jährigen an einer mittelschweren bis schweren Demenzerkrankung. In Österreich sind das rund 100 000 Menschen. Schätzungen zufolge wird sich die Zahl bis zum Jahr 2050 verdreifachen 1 . Diese Tendenz spiegelt sich auch in den Häusern der St. Anna-Hilfe wider: Schon heute sind 300 von insgesamt 540 Bewohnern betroffen. Unter Demenz versteht man eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der das Gedächtnis, das räumliche Orientierungsvermögen und auch die Sprache zunehmend beeinträchtigt werden. Das lateinische Wort „dementia“ bedeutet „ohne Geist“ und veranschaulicht, dass der Betroffene mehr und mehr die Kontrolle über sein Denken und auch über sich selbst, seine Persönlichkeit verliert. Gedächtnisstörungen und Verhaltensauffälligkeiten gehören daher zu den typischen Symptomen. Maßgeblich für den Grad der Erkrankung ist der Verlust erworbener Fähigkeiten. Medikamente helfen nicht ursächlich und nur sehr begrenzt. So erfordert die Betreuung demenzkranker Bewohner im Pflegeheim vor allem besondere Strukturen. Sie benötigen weniger körperliche Pflege als vielmehr menschliche Nähe und Orientierung im Tagesablauf. Text: Dennis Roth/Foto: Felix Kästle 1 Quelle: „Erster österreichischer Demenzbericht“, erarbeitet vom Competence Center Integrierte Versorgung (CCIV) der österreichischen Sozialversicherung, veröffentlicht am 21. April 2009

5 DAS THEMA Vergesslichkeit, Unruhe, Aggression, Angst und ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus weisen bei älteren Menschen auf eine Demenzerkrankung hin. Bei der Diagnose ist allerdings Vorsicht geboten. Denn auch eine Depression führt zu kognitiven Leistungsbeeinträchtigungen und ruft ähnliche Verhaltensauffälligkeiten hervor. Die medizinischen Diagnosemittel sind daher vielfältig und reichen von Eigen- und Fremdanamnesen, psychologischen Untersuchungen, Laboruntersuchungen bis hin zur Computertomographie. Laut europäischem Kodex (ICD-10) ist eine Person dementiell erkrankt, wenn eine Abnahme des Gedächtnisses und der Urteils- und Denkfähigkeit vorliegt sowie das Sozialverhalten, der Antrieb und die Emotionskontrolle gestört sind. Diese Beeinträchtigungen müssen mindestens ein halbes Jahr andauern und einen chronischen Verlauf haben. Ursachen, Formen und Verlauf Mit rund 60 bis 70 Prozent stellt die Alzheimer- Krankheit die häufigste Ursache für dementielle Veränderungen dar. Sie wird durch ein Ungleichgewicht an Botenstoffen im Gehirnstoffwechsel ausgelöst, woraufhin Nervenzellen absterben. Obwohl viele Details der Erkrankung inzwischen bekannt sind, konnten die Ursachen noch nicht zweifelsfrei geklärt werden. In den meisten restlichen Fällen handelt es sich um eine vaskuläre Demenz: Die Gehirnleistung lässt aufgrund von Durchblutungsstörungen nach. Gemeinsam ist beiden Formen, dass die Betroffenen fortschreitend die während ihres Lebens erworbenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren. Im Anfangsstadium können erste geistige Defizite noch gut überspielt werden, was eine frühzeitige Diagnose erschwert. Im nächsten, so genannten „Moderaten Stadium“ kommt es zu einem stärkeren Verlust der geistigen Fähigkeiten, darunter auch zu Sprach- und Erkennungsstörungen, Desorientierung, starken Stimmungsschwankungen und ein Nachlassen der Hygiene. Die Selbständigkeit ist stark eingeschränkt. Das „Schwere Stadium“ ist gekennzeichnet durch erhebliche Erkennungsstörungen und starke Störungen des Kurz-, aber auch des Langzeitgedächtnisses. Die persönliche Orientierung geht verloren, ein selbständiges Leben wird unmöglich. Der Betroffene braucht Pflege. Medikamentöse Behandlung Demenz, vor allem die Alzheimer-Erkrankung, kann mit so genannten Antidementiva behandelt werden. Sie wirken durchblutungsfördernd und verbessern so das Gedächtnis sowie die Konzentrations-, Lernund Denkfähigkeit. Sie können das Fortschreiten der Symptome jedoch nur um ein bis zwei Jahre verzögern und verursachen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall oder Schlafstörungen. Da der Therapieerfolg sehr unterschiedlich ausfällt, muss der Arzt das für den jeweiligen Patienten wirksamste und verträglichste Mittel immer erst herausfinden. Wie für alle Psychopharmaka, so gilt auch für Antidementiva, dass neben der medikamentösen Therapie eine psychosoziale Betreuung erfolgen sollte. Menschliche Nähe und Orientierung Die nichtmedikamentöse Behandlung – auch als Begleitung der medikamentösen – setzt hauptsächlich auf menschliche Zuwendung, angemessene Aktivierung und Beschäftigung sowie auf eine orientierungsfördernde Umgebung (Milieutherapie). Als erfolgreich zeigt sich auch der psychobiografische Ansatz, der sich an der Persönlichkeit und der Biografie des Einzelnen orientiert. Richtungsweisend für die Pflege war die Validation nach Naomi Feil. Dabei handelt es sich um eine Kommunikationsmethode, die hilft, demente Menschen besser zu verstehen. Sie greift den emotionalen Gehalt einer Aussage oder eines Verhaltens auf, erklärt ihn für gültig, („validiert“ ihn), ohne dabei zu analysieren, zu bewerten oder zu korrigieren. Die Basale Stimulation und die Musiktherapie bieten sich insbesondere bei einer weiter fortgeschrittenen Demenzerkrankung an, da sie auch den bettlägerigen oder kaum noch an der Außenwelt interessierten Menschen erreichen. Bei der Basalen Stimulation werden Wahrnehmungsbereiche aktiviert, primäre Körper- und Bewegungserfahrungen angeregt sowie die Herausbildung einer individuellen, non-verbalen Mitteilungsform angeboten. Alle diese Betreuungsansätze sind auch Teil der täglichen Arbeit in den Häusern der St. Anna-Hilfe. Zum Thema Validation werden seit einigen Jahren kontinuierliche Fortbildungen angeboten. Die Mitarbeiter legen großen Wert auf ein bewohnerorientiertes Arbeiten und versuchen, jedem Einzelnen einen möglichst normalen Alltag zu bieten. Wichtig bei der Betreuung dementiell erkrankter Menschen sind nicht zuletzt die Angehörigen, die dem Pflegeteam unterstützend und beratend zur Seite stehen. ❑

Hier finden Sie Impulse für den Alltag

Anstifter

Anstifter 1, 2020 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2019 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2019 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2019 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2014 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2014 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2014 der Stiftung Liebenau

Jahresberichte

Jahresbericht 2016 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2015 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2014 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2013 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2012 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2011 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2010 der Stiftung Liebenau

Karriere/Akademie

Deine Ausbildung bei uns - Stiftung Liebenau
Dein FSJ/BFD bei uns - Stiftung Liebenau

Kirchliche Stellungnahmen

Die Stiftung Liebenau – eine Lebens- und Wesensäußerung von Kirche

Stiftung Liebenau Österreich

annalive 02/2018
annalive 01/2018
annalive 02/2017
annalive 01/2017
annalive 02/2016
annalive 01/2016
annalive 02/2015
annalive 01/2015
annalive 02/2014
annalive 01/2014
annalive 02/2013
annalive 01/2013
annalive 02/2012
annalive 01/2012
annalive 02/2011
annalive 01/2011
annalive 02/2010
annalive 01/2010
annalive 02/2009

Beteiligungen

BDS Flyer